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Die Knappschaft - Vom Vorsorgeheim bis zur Bildungsstätte
Jahrhundertelang befand sich Schloss Schönberg im Besitz der Fürsten und Grafen
zu Erbach-Schönberg. Sozial eingestellt, beschloss Fürst Georg Ludwig (1903 bis
1971), das für Wohnzwecke viel zu groß gewordene Anwesen zu veräußern und ei-
ner neuen Nutzung zuzuführen. Am 27. September 1956 war es soweit: Die Ruhr-
knappschaft, Trägerin der Sozialversicherung aller Bergleute an der Ruhr, erwarb
Schloss und Park Schönberg. Ein gutes Jahr später - am 17. Oktober 1957 - wurde
das "Knappschafts-Vorsorgeheim Schloss Schönberg" seiner Bestimmung als Reha-
bilitations-Einrichtung für Bergleute übergeben. Heute findet das Anwesen als
"Bildungsstätte Schloss Schönberg" großen Zuspruch und wird von der
Bundesknapp chaft betrieben, dem einzigen Sozialversicherungsträger in
Deutschland, der Kran ken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung,
Rehabilitation, eigene Rehaklini- ken und Krankenhäuser sowie einen
eigenständigen Sozialmedizinischen Dienst un- ter einem Dach vereint.
Die
Knappschaft hat eine lange Vergangenheit und reiche Tradition, begründet auf dem
Bergbau, der schon seit Jahrtausenden betrieben wird. Gegraben wurde einst nach
Erzen und edlen Metallen, nach Eisen, Kupfer, Zinn, Silber, Gold und vielem
mehr. Erst viel später kam - im Zuge der Industrialisierung - die Kohle
hinzu. Bei der bergmännischen Arbeit handelte es sich von jeher um eine
gefahrvolle und schwere Tätigkeit. Viele "Kumpel" verunglückten unter Tage oder
trugen früh ge- sundheitliche Schäden davon, was auf die Körperhaltung in den
niedrigen Stollen oder die darin enthaltene schlechte Luft zurückzuführen war.
Häufig starben die Bergleute bereits in jungen Jahren. Konnten Betroffene nicht
mehr arbeiten oder galt es in Todesfällen, hinterbliebene Familien finanziell
abzusichern, zeichnete sich der Berufsstand durch eine Besonderheit aus - durch
ein gemeinsames Tragen des Risi- kos, durch eine außergewöhnliche
Kameradschaft. Dies äußerte sich in diesem Zusammenhang darin, dass bereits
vor langer Zeit damit begonnen wurde, für solche Notfälle einen Anteil vom
erhaltenen Lohn in eine eigens dafür angelegte Kasse einzuzahlen. Das geschah in
der Regel auf freiwilliger Basis. Ab und an war allerdings etwas Nachdruck
nötig: Verweigerte ein Bergmann die Ab- gabe, erhielt er beispielsweise keinen
Talg für die Grubenlampe. Auf dieser Grundlage entwickelte sich
raumübergreifend über die Gruben hinaus quasi eine Frühform der
Sozialversicherung, und zwar lange, bevor Reichskanzler Otto von Bismarck Ende
des 19. Jahrhunderts die gesetzliche Renten-, Kranken- und Unfallversicherung
ins Leben rief, die bis in die heutige Zeit Bestand hat. Träger der Renten- und
Krankenversicherung für den Bergbau ist nach wie vor die Knappschaft - sie
bildet den Ursprung der deutschen Sozialversicherung. Die Bundesknappschaft,
1969 gegründet und mit Hauptsitz in Bochum, kann somit auf eine rund 1000-
Jährige Tradition zurückblicken. Ihre Wurzeln, finden sich in den frühen
Knappschaften des Mittelalters, in den großen Knappschaftsvereinen und der
Reichsknappschaft Anfang des 20. Jahrhunderts. Um zu verstehen, warum die
Ruhrknappschaft als soziale Einrichtung das Schloss erwarb, bedarf es einen
Rückblick in der Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung. Dort trat über
Jahrzehnte hin der Leistungsfall erst ein, wenn der versicher- te Beschäftigte
seinen Beruf infolge Krankheit, Schwäche oder Erreichens einer Al- tersgrenze
nicht mehr ausüben konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutsch land nur die
Möglichkeit, sich durch den intensiven Einsatz von Arbeitskräften wirt
schaftlich zu erholen. Dies war nicht unproblematisch, da viele Männer gar nicht
oder schwer geschädigt aus dem Krieg zurückkehrten und die Bevölkerung zudem
durch unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln körperlich geschwächt war.
Die da- malige Bundesregierung reagierte auf diese Situation einsichtig und
überlegt. Be schlossen wurde, dass die Leistungen der sozialen
Rentenversicherung bereits bei zeiten eintreten sollten mit dem Ziel, die
Arbeitskraft zu erhalten. Deshalb wurde von 1957 an die Rehabilitation als
gesetzliche Leistung der Renten- gewährung vorangestellt und sogar darüber
hinaus die Möglichkeit der Gesundheits- vorsorge angeboten, wenn die
Erwerbsfähigkeit bedroht war. Dies setzte die damali- ge Ruhrknappschaft
verantwortungsbewusst unverzüglich in die Tat um, da der Bergbau an der Ruhr ein
ganz besonders wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Ent- wicklung war.
Damit die Bergleute von der neuen Regelung Gebrauch machen konnten, schuf die
Ruhrknappschaft spontan drei Vorsorgeheime: "Hundseck" im Schwarzwald, "Borkum"
auf der gleichnamigen Nordseeinsel und - als erste Einrichtung in Deutschland -
"Schloss Schönberg". Welche politische Bedeutung dies hatte, zeigt sich
darin, dass der damalige Bundespräsident, Prof. Theodor Heuss, zur Eröffnung des
Vor sorgeheims im Odenwald kam und die feierliche Übergabe selbst vornahm. Für
die Ruhrknappschaft bedeutete das eine hohe Ehre und Auszeichnung. Es würde den
Rahmen sprengen, alle Namen derjenigen aufzuführen, die sich fortan mit viel
Enga- gement der Bergleute annahmen, die zur Erholung anreisten. Genannt werden
muss aber der erste Chefarzt des Hauses, Dr. Wolfgang Schauwecker, der als
Wegbereiter der gesundheitlichen Prävention unvergessen bleibt. Seine Tätigkeit
setzte später Dr. Klaus Grünewald mit Erfolg fort. Erwähnt werden sollte auch
der langjährige Verwaltungsleiter des Schlosses, Wilhelm Bohländer. In
späteren Jahren drängten sich Erdöl und Gas zunehmend als Energieträger in den
Vordergrund, die Kohleförderung ging dramatisch zurück, die Zahl der Bergleute
verringerte sich. Für "Schloss Schönberg" blieb dies nicht ohne Folgen: Aus dem
"Vor sorgeheim" wurde ein "Zentrum für Frührehabilitation". Da auch dies auf
Dauer nicht zu halten war, musste es 1991 aufgegeben werden. Eine neue Idee
kam dem Erhalt der Einrichtung zugute. Zwar sank die Zahl der "Kumpel", die der
leistungsberechtigten Versicherten aber nicht. Um diese als Versi-
cherungsträger auch in Zukunft sachgerecht und kompetent betreuen zu können,
bedarf es gut ausgebildeter Fachkräfte mit aktuellem Wissenstand. Im Zusammen
wirken mit dem "Verband Deutscher Rentenversicherungsträger" (VDR) wurde die
"Bildungsstätte Schloss Schönberg" konzipiert, da auch andere Rentenversiche-
rungsträger Interesse zeigten. Dies erforderte jedoch einen umfassenden Umbau
der Gebäude, wobei die äußere Form und die historischen Innenbereiche unter dem
Ge sichtspunkt des Denkmalschutzes erhalten blieben. Installiert wurde zudem
eine der modernen Kommunikations- und Medientechnik entsprechende Ausstattung.
Vier Jahre dauerte die Umgestaltung, dann war es soweit: Am 2. Januar 1996 ging
das Haus mit der neuen Aufgabenstellung in Betrieb. Die "Bildungsstätte
Schloss Schönberg" verfügt über fünf Seminar-, sieben Gruppen- und zwei ADV-
Räume. Die 76 individuell gestalteten Gästezimmer mit integriertem
Sanitärbereich und die Aufenthaltsbereiche im historischen Stil bieten
Gelegenheit zur Entspannung in gepflegtem Ambiente. Der Freizeitgestaltung
dienen Kegelbahn, Billardraum und Hallenbad. Der angrenzende 40.000 Quadratmeter
große, gepflegte Park, der im 18. Jahrhundert angelegt wurde, steht Gästen wie
auch der Schöneberger Bevölkerung offen. Im Vergleich zu bereits bestehenden
Einrichtungen dieser Art hat sich die "Bildungs- stätte Schloss Schönberg"
bislang außerordentlich bewährt - ob bei Tagungen, Seminaren, Konferenzen,
Workshops oder Meetings. Da die Bildungsstätte durch die Verbandsmitglieder des
VDR wie auch durch Teilnehmer aus dem öffentlichen und privaten Bereich genutzt
wird, ist sie gut ausgelastet und sieht einer erfolgreichen Zukunft entgegen.
Homepage der Knappschaft | |